Stettner„Nachdem die Bevölkerung der Marktgemeinde Oberschützen zur Einsicht kam, daß die Gründung einer Feuerwehr hier nothwendig geworden ist, wurde von den hiezu Versammelten unter dem Alterspräsidenten Sr. Hochwürden Herrn Senior Julius Stettner einstimmig der Beschluß gefaßt, hierorts eine freiwillige Feuerwehr zu gründen“ 

 

 

 

Dieser lapidare Satz, aufgezeichnet am 11. März 1882 im 1.Protokoll der konstituierenden Versammlung des freiwilligen Feuerwehrvereines zu Oberschützen, war der Beginn des organisierten abwehrenden Brandschutzes in Oberschützen. Zwar fehlen im Protokoll nähere Angaben über die „Nothwendigkeit“ – der Ort blieb bisher von größeren Bränden verschont - es scheint sich aber bei den Verantwortlichen doch die Erkenntnis durchgesetzt zu haben, dass diese aufstrebende Gemeinde zu ihrem Schutz eine Feuerwehr benötigte.

 

Kurze Geschichte der Gemeinde Oberschützen

Der Name leitet sich von Bogenschützen her, welche als Grenzwächter von den ungarischen Arpadenkönigen als Grenzwächter angesiedelt wurden. In den damals (13. Jahrhundert) üblichen Fehden unterstützten sie die Güssinger Grafen gegen die Könige Stephan V. und Ladislaus IV. (1270, erste urkundliche Erwähnung). Die Revolte wurde niedergeschlagen und zur Strafe wurden sie ausgesiedelt. Ihren Platz nahmen deutsche (bajuwarische) Kolonisatoren ein. Dass es sich bei diesen Grenzschützen – deutschen wie ungarischen – um Eliten handelte, versteht sich von selbst.

Nach der Niederwerfung der Güssinger 1336 gingen die beiden Schützen (Ober- und Unterschützen) in königliches Eigentum über. In weiterer Folge wechselte Oberschützen mehrmals die Eigentümer: Erst Bernsteiner, dann Pfandbesitz der Königsberger, ab 1644 die Batthyàny, bis sich die Oberschützer 1840 auf Initiative des Pfarrers Gottlieb August Wimmer als zweite Gemeinde im Königreich Ungarn von der Grundherrschaft loskauften, also neun Jahre vor der Bauernbefreiung durch Hans Kudlich!

Dieser Gottlieb August Wimmer prägte Oberschützen wie kein anderer. 1791 in Wien geboren, studierte er 1816 in Jena evangelische Theologie. Es liegt nahe, dass er hier die demokratischen Ideale der kurz zuvor (1815) in Jena gegründeten Urburschenschaft kennengelernt hatte. Sein Eintreten für die Revolution 1848 bestärken diese Vermutung. Als Folge der fehlgeschlagenen Revolution musste er schließlich 1848 aus Oberschützen fliehen.

Aber von 1818 bis dahin hatte er ganze Arbeit geleistet: Durch ihn begann der Aufstieg Oberschützens zum Schul- und Bildungszentrum, welches es noch heute mit Schultypen von der Volkschule, Neue Mittelschule, Evang. Oberstufen Realgymnasium, Bundesrealgymnasium, Musikschulen, bis hin zur Expositur der Kunstuniversität Graz beinhaltet. 1845 gründete er das evangelische Lehrerbildungsseminar, weiters führte er den Obstanbau ein, verbesserte die Anbaumethoden und impfte eigenhändig die Kinder gegen Blattern.

Risikoobjekte gab es demnach genug: einerseits die Lehrerbildungsanstalt-ein doppelstöckiger Bau von (für damalige Verhältnisse ) gewaltigem Ausmaß und ebensolche Bauernhäuser.

Chronik1

Chronik2

Oberschützen zählte 1882 ungefähr 800 Einwohner, welche überwiegend in der Landwirtschaft tätig waren

Wie in vielen Städten und Dörfern, gab es natürlich auch in Oberschützen einen vorbeugenden Brandschutz t, eine Feuerschutzordnung.

Und Brände gab es im Ort genug, wie der Schuhmachermeister Johann Georg Bruckner in seinen Lebenserinnerungen berichtete: von einem Brandstifter, etwa um 1832, der mehrere Häuser anzündete, und im August 1858 , als ein Schweinestall in Flammen aufging. Brandursache: Pfeiffe rauchen. Zum Glück lag der Schweinestall neben dem Bach, sodass der Brand noch im Anfangsstadium gelöscht werden konnte.

Interessant auch der Bericht über einen weiteren Brand Ende Oktober des gleichen Jahres beim „Janisch Haus“. „Da das ganze Dach vom vorigen Regen naß war, kam es erst so spät zum Ausbruch – aber dann war auch alles auf einmal in Flammen“ Heute bezeichnen wir dieses Phänomen als „flash over“ bzw Rauchgasdurchzündung!. In diesem Jahr hatten sich dann noch mehrere Brände ereignet. Gelöscht wurde nicht nur mit Wasser, wie der Schumachermeister über die Löschtätigkeiten bei einem anderen Brand berichtete, bei welchem 5 Häuser abbrannten. Er selbst spritzte Jauche ins Feuer. Durch die Löschanstrengungen wurde er beinahe ohnmächtig, bekam Herzbeschwerden und bei der kleinsten Tätigkeit Schwächeanfälle. Natürlich hatte er durch das Einatmen der giftigen Jauchedämpfe und der Rauchgase eine Vergiftung erlitten, welche er dann mit Ziegenmilch, Kren, Honig und Weinreben heilte. (Eine ausführliche Darstellung der Brände findet sich bei Edith Schedl „Johann Georg Bruckner Was ist des Menschen Leben? - Erinnerungen einesSchuhmachermeisters“ Seite 70ff. Oberwart 2005.)

Der abwehrende Brandschutz bestand zum Zeitpunkt der Gründung des

Oberschützer Feuerwehrvereines lediglich aus einigen Löschgeräten, Hydrophoren, welche bei Gründung des Vereines in einem desolaten Zustand vorgefunden wurden.

Die Männer der Ersten Stunde waren:

Präsident und Oberkommandant:       Dr. Ludwig Thomas

Vizepräsident:                                     Prof. Karl Höllig

Unterkommandant:                             Michael Knöbl, Lehrer

Schriftführer:                                      Johann Lemle, Lehrer

Kassier:                                              Johann Fleck

Ausschussmitglieder: Senior Julius Stettner, Dir. Johann Neubauer, die Professoren Johann Ebenspanger, Johann Eitner,. Ludwig Fohrberg und Notar Samuel Bruckner.

Weitere Mitglieder waren die Herren Kurtz, Bruckner, Schranz, Unger, Neubauer und Brunner..

Bemerkenswert ist die hohe Anzahl an Lehrern und Professoren.

 

Die ersten 25 Jahre

Am 29. Dezember 1907 wurde das 25 jährige Bestandsjubiläum feierlich begangen. Die Bilanz der 25jahrigen Tätigkeit des Feuerwehrvereines:

52 Einsätze! Und zwar:

Oberschützen                               19

Willersdorf                                     19

Unterschützen                                3

Bad Tatzmannsdorf                        3

Oberwarth                                       3

Mariasdorf                                       2

Jormannsdorf                                  2

Sulzriegel                                        1

Daneben gab es – wie heute auch – zahlreiche gesellschaftliche Verpflichtungen:

Fahnenweihe in Groß – Kanisza, Landesfeuerwehrtag in Zalaeggerszeg, Fahnenweihe in St. Gotthard, Comitatsfeuerwehrsitzung in Steinamanger, sowie zahlreiche Feierlichkeiten im Ort selbst: Glockenweihe in Oberschützen, Eröffnung der Bahnlinie Oberwart - Oberschützen, Einweihung des Gymnasiums.

 

Vom ersten Weltkrieg bis zum Anschluss an Österreich

Über die Zeit des 1. Weltkrieges gibt es nur unzureichende Aufzeichnungen.: 8 Einsätze, davon zwei im Ort (1915 und 1917) Die erste Generalversammlung wurde am 15. März 1919 abgehalten, in welcher der Oberkommandant Aurel Stettner seine Abdankung bekannt gab. Bemerkenswert seine Ausführungen:

„Auch ich habe im Rapport vom 8. März 1919 meine Abdankung als Oberkommandant eingereicht. Ich will nicht weiter darauf eingehen, was mich zunächst dazu veranlasste, möchte auch nicht, dass darüber weitere Worte verloren werden, Wir sehen draußen alles anders werden, der Krieg hat uns die Umwälzung und als Ergebnis derselben die Republik gebracht; herinnen will auch alles neu werden. Unsere Feuerwehr bedarf gewiss einer gründlichen Erneuerung, - dazu bei meinem Amte heute die nötige Zeit zu finden, ist mir unmöglich. Ich gebe daher der Generalversammlung das seinerzeit in mich gesetzte Vertrauen mit Dank zurück, bitte auch gleichzeitig, bei den vorzunehmenden Wahlen von meiner Person abzusehen.“

Helm